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Die Klimaerwärmung und die Folgen

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#1 Bartholomew Gallacher
Häufig wird ja im Rollenspiel gerne Endzeit gespielt. Ich war gestern mal seit längerem wieder in einem populärwissenschaftlichen Vortrag über die Klimaerwärmung von einem Klimatologen, der darüber knapp eine Stunde sprach und es war interessant.

Sein Credo war kurz und knapp dieses: das Klima erwärmt sich, dies ist so gut wie sicher und die Folgen davon spüren wir jetzt schon, sie sind aber noch nichts gegenüber dem, wie es 2100 sein könnte.

In der Statistik wird ja immer gerne mit Wahrscheinlichkeiten gearbeitet, und die sog. Hockeystick-Kurve liegt mit 95% Wahrscheinlichkeit innerhalb dessen, was die Statistik vorhersagt, ist also komfortabel sicher. Die Leute, die lieber daran glauben, dass die 5% greifen, sind dann für ihn die Klimaleugner bzw. -skeptiker, die nicht wissen, was sie tun.

Das Szenario jedenfalls, das er entwarf, war dann auch schon ziemlich apokalyptisch: selbst wenn es "nur" zu 2 Grad mehr Erwärmung im Durchschnitt käme, was schon ziemlich unwahrscheinlich ist, dass das Ziel noch eingehalten werden könnte, so bedeutet dies nicht, dass das wie mit der Gießkanne gegossen über den ganzen Erdball gelten wird. Vielmehr wird es einige Gegenden richtig hart treffen, während andere relativ verschont blieben. Gegenden, die stark betroffen sein werden, sind u.a. Afrika, die USA und Mitteleuropa.

In Afrika wird es teilweise Gegenden geben, in denen die Durchschnittstemperatur bis 2100 um 4 Grad und noch mehr steigen wird, mit zeitgleicher Abnahme der Niederschläge. Momentan würden knapp 1 Milliarde Menschen in Afrika leben, eine Verdoppelung bis 2050 sei so gut wie sicher und es ist durchaus möglich, dass es bis 2100 dort 4 Milliarden Menschen sein werden.

Nun klinge das erstmal noch recht harmlos, doch wenn von Afrika neue Wanderungsbewegungen einsetzen würden, wie beispielsweise in Ägypten, dann sei das nichts verglichen mit dem, was wir bisher mit den Syrern erlebt hätten, das hätte dann eine ganz neue Dimension.

Zudem wird die Menschheit 2100 irgendwo zwischen 9 bis 12 Milliarden Menschen haben, das Wachstum findet dann übrigens nicht mehr in Asien, sondern in Afrika statt, und das sei auch so langsam die Grenze dessen, was die Erde noch ernähren und verkraften könne. Wenn eine Population zu groß werde, dann gibt es normalerweise entweder einen Krieg oder eine Pandemie.

Kein gutes Haar ließ er auch an der deutschen Bundesregierung, die inzwischen in Brüssel der größte Bremsklotz für die Einführung der Elektromobilität und besserer Grenzwerte in Sachen Luftreinhaltung überhaupt sei.

Im Jahr 2000 wurden Klimaziele festgelegt, und damals wurde gesagt, bis 2020 müsse man 36% weniger CO2 ausstoßen, aktuell sind es aber 23% mehr als 2000. Da stimmt also das Vorzeichen nicht. Überhaupt gibt es verschiedene Szenarien, die damals berechnet wurden, wie stark das CO2 noch ansteigen würde und was das klimatologisch bewirken würde, und da müsse man sagen, selbst das damals pessimistischste Szenario war noch nicht pessimisisch genug. Die Menschheit ist auf dem guten Weg, innerhalb von 250 Jahren den Anstieg des CO2 von 250 parts per million (ppm) auf 1000 ppm geschafft zu haben, dieser Wert wurde zuletzt im Mesozoikum erreicht, also als noch die Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren lebten. Und 65 Millionen Jahre dauerte es auch, bis die Natur es auf 250 ppm runter brachte. Wir leben erdgeschichtlich ohnehin in einer Warmzeit, und wenn es so weitergeht, dann leben die Menschen in 2-3 Generationen in einer von Menschen verursachten Super-Warmzeit. 1000 ppm würden in etwa eine Erwärmung der Durchschnittstemperatur um immerhin 7 Grad bedeuten, und dies würde dann auch ziemlich sicher zum Abschmelzen der Polkappen innerhalb von 1000 Jahren bedeuten.

Man stelle sich mal ein Rollenspiel vor, das auf Grundlage dieser wissenschaftlichen Modelle basiert und die Erde im Jahre 2100 wiederspiegelt, das wäre erschreckend brisant und aktuell wohl zugleich.
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#2 Bartholomew Gallacher
Noch eine kleine Ergänzung: es gibt in der Hockeykurve auch einen kleinen Bereich, so von 1950-1970, wo die Erwärmung stagnierte.

Der Grund dafür ist interessant: der menschliche Einfluss auf das Klima basiert u.a. auf dem Ausstoss von Kohlendioxid so wie Aerosolen, allgemein heute als Feinstaub bezeichnet. Während Kohlendioxid den Treibhauseffekt verstärkt, bewirkt Feinstaub (richtig, das Zeug, das auch Dieselmotoren in Massen produzieren!) in der Atmosphäre das Gegenteil, es erhöht den Anteil des Sonnenlichts, der direkt wieder in den Weltraum reflektiert wird.

Da man so ca. ab den 1970ern Jahren begann, Kohlekraftwerke mit Filtern zu versehen, verschwanden die Aerosole weitestgehend und damit ihr Einfluss auf das Klima. Es gibt durchaus Gedankenspiele von ernstzunehmenden Wissenschaftlern, wie dem Entdecker des Ozonlochs, der die künstliche Einbringung von Feinstaub im Großmaßstab in der Atmosphäre fordert. Das Problem daran sind letztendlich die Kosten, ausserdem weiß niemand, wie sich das auf das Klima auswirken würde.

Mehr Feinstaub übrigens unten durch "wir fahren alle mehr Diesel" zu produzieren ist keine Lösung, da das Zeug giftig und krebserregend ist.

Eines aber ist bei allen Modellen sicher: den Milankovic-Zyklus von Warm- und Eiszeiten wird auch der Mensch nicht unterbrechen können, der bleibt bestehen.
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